Das Bauhaus im
Spiegel der
Mathildenhöhe
EN / DE Eine interaktive VR-Experience

Utopie einer verpassten Chance

Vor 100 Jahren in Weimar gegründet, sollte das Bauhaus Weltgeschichte in Architektur, Design und Malerei schreiben. Wenig bekannt sind dabei die mannigfaltigen Bezüge zur Darmstädter Mathildenhöhe, des Geburtsortes der internationalen Jugendstilbewegung und frühen Wirkungsstätte vieler Bauhaus-Legenden.

9Das berühmte Bauhaus-Archiv, von Walter Gropius 1964 geplant und am Berliner Landwehrkanal 1976 eröffnet, wurde ursprünglich für die Darmstädter Rosenhöhe entworfen und bezieht sich in seiner Dachform auf den Fünf-Finger-Turm der Mathildenhöhe. Die Stadt Darmstadt hatte den Bau jedoch in seinem ursprünglichen Entwurf nicht finanzieren können und lehnte ebenso wie schon in den 1920er Jahren ab, als Gropius der Stadt Darmstadt die Neueröffnung des Bauhauses vor dessen drohender Schließung in Weimar anbot.

All diese Zusammenhänge boten Studierenden des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Darmstadt Anlass, zum 100-jährigen Jubiläum eine mehrfach ausgezeichnete VR-Installation zu gestalten, die die Utopie des Bauhauses  auf der Mathildenhöhe in VR Wirklichkeit werden lässt. 

Bauhaus Dessau
Mathildenhöhe Darmstadt

Walter Gropius, Gründer des Bauhauses, arbeitete bei Peter Behrens, der ebenfalls zur Künstlerkolonie gehörte. Zeitgleich arbeiteten in diesem Büro ebenso Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier, wodurch das Architekturbüro besondere Bedeutung erlangte.

Walter Gropius
Joseph Maria Olbrich

Joseph Maria Olbrich, ein Designer und Architekt der Wiener Schule. Er gilt als die Führungsfigur der Künstlerkolonie auf der Darmstädter Mathildenhöhe, der Geburtsstätte des Jugendstils, die von 1899 durch Großherzog Ernst Ludwig von Hessen gegründet wurde.

Die Ausstellung Gestalt und Hinterhalt

Die Ausstellung „Gestalt und Hinterhalt” im Designhaus Darmstadt beleuchtet die zum Teil unbeachteten Zusammenhänge des Bauhauses und der Darmstädter Mathildenhöhe.

“Gestalt und Hinterhalt” möchte so einen neuen, verblüffenden Blick auf das Bauhaus und die Mathildenhöhe eröffnen: auf menschliche Beziehungen und Konflikte zwischen den beiden Institutionen, geistige Hintergründe, personelle Verflechtungen, historische Zufälle und wirkungsvolle Einflüsse. Es geht unter anderem um Alma Mahlers Liebesgeschichten mit Joseph Maria Olbrich und Walter Gropius oder darum, wie Otto Bartning 1951 vergeblich versucht, Gropius zum Darmstädter Gespräch »Mensch und Raum« einzuladen. Im Atelierhaus von 1901 hebt Prinz Ludwig von Hessen dann 1961 das Bauhaus-Archiv aus der Taufe. Doch die Begegnungen im Spiegel der Mathildenhöhe verlaufen nicht immer sehr harmonisch.

 

Ausstellung im Designhaus Darmstadt
Exhibition at the Designhaus Darmstadt

Das Bauhaus auf der Mathildenhöhe

Die Ausstellung stellt auch die Frage, was gewesen wäre, wenn das Bauhaus 1925 nicht nach Dessau, sondern nach Darmstadt gezogen wäre, so wie es damals im Gespräch war. Dazu lässt sich in einer interaktiven Virtual-Reality-Installation in den berühmten Dessauer Bau von Gropius eintauchen, den ein studentisches Team des Fachbereichs Gestaltung unter der Leitung von Prof. Philipp Thesen virtuell direkt hinter Olbrichs Ausstellungsgebäude platziert hat.

Die Virtual Reality Installation

Das berühmte Bauhausgebäude simulierte das Team auf einem teilweise leerstehenden Grundstück in Angrenzung an die Kunstgewerbeschule, dem heutigen Fachbereich Design, vis-a-vis der Darmstädter Künstlerkolonie. Dieses wurde von den Studierenden vollständig in 3D-Modellen aufgebaut und aufwändig animiert. 

Werkstätten und Einrichtungsdetails des Bauhauses wurden auf Grundlage historischer Fotos und ursprünglicher Grundrisse in Blender aufgebaut sowie in Unity animiert.

Als Ergebnis entstand eine interaktive VR Experience, die dem Nutzer erlaubt, sich in der architektonischen Utopie der Errichtung des Bauhauses auf der Darmstädter Mathildenhöhe zu bewegen und charmante Details über die Bezüge der beiden Institutionen Bauhaus und Mathildenhöhe sowie der Menschen, die dort lebten, zu entdecken. So findet sich beispielsweise in der Schublade von Walter Gropius Schreibtisch in seinem Arbeitszimmer einen heimlichen Brief von Alma Mahler, die – wie die Recherche historischer Begebenheiten ergab – eine Liaison mit Joseph Maria Olbrich aus Darmstadt unterhielt.

Schränke lassen sich öffnen und deren Inhalt Erkunden, Vasen und andere Objekte lassen sich greifen und sogar kaputt schmeißen, wenn einem danach ist. Ein kleines Architektur Modell der gesamten Szene in der man sich befindet steht in einem der hinteren Räume und ermöglicht es dem Betrachter das ganze noch mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten und in einem der Räume eröffnet sich dem Besucher die Möglichkeit mit dem kleinen Schiffbauspiel von Alma Siedhoff-Buscher (1923) in der virtuellen Realität zu experimentieren. 

Ganz im Sinne des Bauhauses, welches eine Revolution der Architektur durch die Integration weiterer Kunstpraktiken anstrebte, wurden hier verschiedene Disziplinen zu einem Gesamtkunstwerk verwoben: als Medium die für die designhistorische Aufarbeitung dienen die zeitgenössischen Werkzeuge von Gestaltern, wodurch sich für Betrachtende eine neuartige Weise zur spielerischen geschichtlichen Weiterbildung und ein Einblick in den sich stetig wandelnden und erweiternden Wirkhorizont der Disziplin Design erschließt.

 

Interaktive VR-Experience "Das Bauhaus im Spiegel der Mathildenhöhe"
Virtual Reality installation: "Bauhaus reflected in the Mathildenhöhe"
Interaktive VR-Experience
German Design Award

Gold

German Design Award 2021

Kategorie Interactive User Experience

” Faszinierend, sich durch die Installation zu bewegen, Werkbänke aufzusuchen, Werkzeuge zu berühren und zu sehen, woran gerade gearbeitet wird. Diese grandiose VR-Installation lässt die Utopie des Bauhauses in Darmstadt virtuelle Wirklichkeit werden “

ADC Wettbewerb

Silber

ADC Junior Wettbewerb 2020

Kategorie Semesterarbeiten Digital

” (…) denn aus der Aufgabe, eine Utopie darzustellen, haben sie ganz real und in immersiver Liebe zum Detail eine Zeitmaschine gebaut (…) ein unglaubliche Entdeckung der Klassischen Moderne mit modernster Technologie– und für uns eine noch unglaublich ausgereifte Semester-Arbeit im Bereich Digital “

C2A Competition Los Angeles

Auszeichnung

C2 Award Los Angeles 2019

Innovative Technologien – VR

 ” Fascinating, immersive, excellent ! “

VR installation at the Designhaus Darmstadt
VR installation at the Designhaus Darmstadt
VR installation at the Designhaus Darmstadt
VR installation at the Designhaus Darmstadt
Eine Arbeit des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Darmstadt

Die VR-Installation entstand im Sommersemester 2019 unter Leitung von Prof. Philipp Thesen im Lehrgebiet Mensch-System-Interaktion an der Hochschule Darmstadt. Assistenz: Moritz Mohr
 

Studierende

  • Moritz Mohr (Industrie-Design)
  • Hans Hohmann (Industrie-Design)
  • David Blumberg (Industrie-Design)
  • Sahra Kolossa (Industrie-Design)
  • Ruixian He (Industrie-Design)
  • Michael Eiden (Kommunikations-Design)